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Artikel KSta ĂŒber den 9. Abschlussjam des Nippesser HipHop-Netzwerkes, Mittwochs Maler sind mal wieder mit von der Partie

HipHop-Jam

Viele Kulturen, eine Sprache

Von Christoph Seemann, 08.02.10, 14:48h, aktualisiert 08.02.10, 15:01h

Beim neunten HipHop-Abschluss-Jam wurden die Ergebnisse des „HipHop-Projektes – Netzwerk fĂŒr Toleranz und Integration“ gezeigt. Drei Monate lang hatten sich die rund 150 jungen KĂŒnstler darauf vorbereitet.

HipHop Abschluss Jam

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Die Jungs von „Black Jack aka The Player“ kamen mit ihrem Rap bei den Jugendlichen besonders gut an. (Bild: Seemann)

Nippes – Bunt, laut und multikulturell ging es in der Turnhalle der Förderschule Auguststraße zu. Aus den Boxen dröhnten die Beats, auf der BĂŒhne warfen sich die Rapper in Pose, und auf dem Hallenboden zeigten die Breakdancer ihre akrobatischen KunststĂŒcke. Die Stimmung wĂ€hrend der neunten HipHop-Abschluss-Jam war friedlich und ausgelassen, hier ging es um Freude an der Musik und der HipHop-Lebensart. Gezeigt wurden die Ergebnisse des „HipHop-Projektes – Netzwerk fĂŒr Toleranz und Integration“, eine vom Sozialdienst Katholischer MĂ€nner getragene und von Bezirk, Bund und Polizei geförderte integrative Initiative.

Drei Monate lang hatten sich die rund 150 jungen KĂŒnstler zwischen zehn und 20 Jahren darauf vorbereitet. Die meisten von ihnen besuchen regelmĂ€ĂŸig die verschiedenen Offenen TĂŒren im Kölner Norden, wo sie fĂŒr ihre Auftritte in Workshops trainierten. Angeleitet wurden sie zu einem großen Teil von jungen Lehrern, die vor einigen Jahren bei dem Projekt noch selbst auf der BĂŒhne standen und nun ihr Wissen an die nĂ€chste Generation weitergaben. Unter anderem waren die OT Werkstattstraße, die OT LuckyÂŽs Haus sowie SchĂŒler der Nordparkschule und der Schule Auguststraße dabei.

„HipHop ist das geeignete Medium, um diese Jugendlichen, die meist aus schwierigen VerhĂ€ltnissen mit Migrationshintergrund stammen, zu erreichen“, wusste Margret Hees vom Sozialdienst Katholischer MĂ€nner (SKM), die das Event schon seit der ersten Stunde koordiniert. So zeigten die Jugendlichen ihren stolzen Eltern und Freunden tatsĂ€chlich alle Facetten dieses Lebensstils: Nicht nur standen zahlreiche Rapper auf der BĂŒhne, es gab auch Beatboxer, Breakdancer und die Grafitti-Sprayertruppe „Mittwochsmaler“.

Deren Chef Maurice Kosberg, studierter PĂ€dagoge, betonte, wie wichtig es sei, sich den Jugendlichen durch ein Medium anzunĂ€hern, das sie aus ihrem tĂ€glichen Leben kennen: „Die Idee ist, eine alternative Ausdrucksform zu bieten, durch die sich die Kinder mitteilen können“, meinte er, und: „Sprayen zu verbieten bringt nichts, aber leider gibt es in Köln viel zu wenig WĂ€nde, auf denen legal gesprayt werden darf.“ In anderen StĂ€dten, zum Beispiel im Ruhrgebiet, sei das anders. „Deshalb bauen wir uns unsere eigenen SpraywĂ€nde und nehmen sie zu unseren Auftritten einfach mit.“

SpraywĂ€nde hatte Hayat, elf Jahre alt, zwar nicht schleppen mĂŒssen, ganz schön außer Atem war sie trotzdem, denn sie hatte grade den Auftritt mit ihrer Black-Music-Tanztruppe „Cute and Fresh“ hinter sich: „Am Anfang war ich richtig nervös, aber als es auf die BĂŒhne ging, war alles in Ordnung“, meinte sie. Das stand TĂ€nzerkollegin Elisa, 15, von „Unity Dance“, noch bevor. Doch sie war ganz zuversichtlich: „Das Training im Workshop hat mir geholfen, meine SchĂŒchternheit abzubauen.“ Am Anfang habe sie sich sogar vor den anderen Teilnehmern kaum zu tanzen getraut, aber spĂ€ter habe es ihr Spaß gemacht, auf der BĂŒhne zu stehen. „Ich habe mich jede Woche auf das Training gefreut und habe dadurch auch viele neue Freunde gefunden.“

Das dĂŒrfte Margret Hees vom SKM freuen, denn die beiden Ziele des HipHop-Projektes waren schon immer, Selbstbewusstsein bei und Respekt zwischen den Jugendlichen zu fördern: „Die Jugendlichen, die hier schon seit Jahren auf der BĂŒhne stehen, erfahren eine ganz fundamentale StĂ€rkung des Selbstbewusstseins“, meinte sie. „Da bilden sich Leistungsbereitschaft, Konzentration und Durchhaltevermögen, und das nutzt den Jugendlichen dann auch im tĂ€glichen Leben.“ Außerdem könnten sie sich durch HipHop mitteilen: „Die Rap-Texte sind Ausdruck der GefĂŒhlswelt der Jugendlichen. Durch diese Texte kann man mit ihnen ins GesprĂ€ch kommen.“

Link: http://www.ksta.de/html/artikel/1264185821954.shtml

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